Steigende Preise spüren heute nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche. Taschengeld, Freizeit und Technik kosten immer mehr, während die Einkommen oft gleich bleiben. Die drei Bereiche zeigen, wie stark Teuerung den Alltag beeinflusst.
Taschengeld reicht nicht mehr – alles ist zu teuer
Früher war Taschengeld für viele Kinder und Jugendliche etwas ganz Selbstverständliches: ein Kinobesuch am Wochenende, ein Snack nach der Schule oder vielleicht mal ein neues T-Shirt – dafür hat es meist gereicht. Heute sieht das ganz anders aus. Die Preise steigen überall, und das Merken auch junge Menschen deutlich. Ein Mittagessen unterwegs, eine Busfahrt oder ein Streaming-Abo kosten inzwischen so viel, dass das Taschengeld oft schon nach kurzer Zeit aufgebraucht ist. Während alles teurer wird, bleibt das Taschengeld häufig gleich. Für viele Jugendliche fühlt sich das frustrierend an, denn am Monatsende bleibt kaum noch etwas übrig.
Dabei soll Taschengeld eigentlich helfen, den Umgang mit Geld zu lernen. Kinder und Jugendliche sollen ausprobieren dürfen, wofür sie ihr Geld ausgeben, Fehler machen und daraus lernen. Doch das wird schwierig, wenn das Geld kaum für die nötigsten Dinge reicht. Wer ständig rechnen muss, ob überhaupt noch genug für ein Treffen mit Freunden da ist, lernt weniger das Planen, sondern eher das Verzichten.
Hinzu kommt, dass sich die Art des Bezahlens stark verändert hat. Immer seltener gibt es Münzen oder Scheine auf die Hand. Stattdessen landet das Taschengeld auf einer Karte, in einer App oder auf einem Konto. Das ist praktisch, hat aber auch Nachteile, vor allem weil das Geld dadurch „unsichtbar“ wirkt. Ein Klick genügt, um ein Spiel freizuschalten, ein Abo abzuschließen oder einen In-App-Kauf zu tätigen. Kleine Beträge fallen kaum auf, summieren sich aber schnell. Gerade für Kinder und Jugendliche ist es oft schwer einzuschätzen, wie viel Geld sie tatsächlich ausgeben.
Außerdem spielt sich ein großer Teil des Lebens heute online ab. Streaming-Dienste, soziale Medien und Online-Spiele gehören für viele zum Alltag. Fast überall fallen Kosten an – und der Druck, mitzumachen und dazuzugehören, ist groß. Taschengeld wird also nicht nur durch steigende Preise belastet, sondern auch dadurch, dass es für viel mehr Dinge gebraucht wird als früher.
Doch wie viel Taschengeld ist eigentlich angemessen? Orientierung bietet zum Beispiel eine Taschengeldtabelle der Raiffeisenbank. Sie zeigt, dass sich die empfohlene Höhe des Taschengeldes am Alter des Kindes und am Auszahlungsrhythmus orientiert. Kleine Kinder zwischen vier und sechs Jahren bekommen etwa 50 Cent pro Woche. Mit zunehmendem Alter steigt der Betrag langsam an. Ab etwa zehn Jahren wird empfohlen, das Taschengeld monatlich auszuzahlen. So lernen Kinder, ihr Geld über einen längeren Zeitraum einzuteilen und Verantwortung zu übernehmen. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren erhalten entsprechend höhere Beträge, da auch ihre Ausgaben steigen – beispielsweise für Kleidung, Freizeit oder Mobilität. Wichtig ist dabei, dass Taschengeld nicht als Strafe oder Belohnung eingesetzt wird. Es soll ein Lerninstrument sein, kein Druckmittel.
Natürlich ist jede Familie anders. Die Tabelle ist keine feste Regel, sondern nur eine Orientierung. Eltern sollten immer ihre finanzielle Situation, den Alltag ihres Kindes und dessen Entwicklungsstand berücksichtigen. Richtig eingesetzt, kann Taschengeld ein wichtiger Schritt sein, um Kinder und Jugendliche auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld im späteren Leben vorzubereiten.
Der Warenkorb der Jugendlichen
Was kostet eigentlich Jugend? Während Ökonomen die Inflation mit einem standardisierten Warenkorb messen, sieht die Einkaufsliste junger Menschen oft ganz anders aus. Wir haben einen symbolischen „Jugend-Warenkorb“ gepackt; mit drei Produkten, die für Mobilität, Freizeit und persönliche Freiheit stehen. Ein Preisvergleich über die Jahrzehnte zeigt: Die Entwicklung ist uneinheitlich.
Mobilität
Ein Blick auf die monatlichen Fahrtkosten für Berliner Schüler offenbart eine positive Überraschung. 1993 kostete ein Schüler-Monatsticket der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) 360 D-Mark. Umgerechnet zum festen Euro-Wechselkurs entspricht das etwa 184 Euro (1 DM = ~0,5 €). Heute, im Jahre 2025, liegt der Preis für eine vergleichbare Monatskarte bei 95,70 Euro. Das ist eine nominale Halbierung.
Berücksichtigt man die Inflation, fällt die Ersparnis noch deutlicher aus. 184 Euro aus dem Jahre 1993 haben nach der deutschen Inflationsstatistik heute eine Kaufkraft von etwa 280 Euro. Die heutigen 95,70 Euro sind im Vergleich dazu ein deutlicher finanzieller Entlastungsposten im Budget. Die massive Subventionierung des ÖPNV wirkt sich hier unmittelbar aus.
Freizeit
Anders sieht es bei klassischen Freizeitaktivitäten aus. Der durchschnittliche Preis für ein Kinoticket stieg in Österreich von 5,94 Euro im Jahre 2003 auf 9,21 Euro im Jahre 2023.
Inflationsbereinigt relativiert sich der Anstieg etwas, bleibt aber signifikant. 5,94 Euro von 2003 entsprechen heute einer Kaufkraft von etwa 8,20 Euro. Der reale, also inflationsbereinigte Preisanstieg für ein Kinoticket liegt somit bei etwa 12 Prozent über zwei Jahrzehnte. Für junge Leute bedeutet das: Der gelegentliche Kinobesuch ist spürbar teureres Vergnügen geworden als für die Generation vor ihnen.
Führerschein
Die vielleicht einschneidendste Ausgabe im Jugend-Warenkorb ist nach wie vor der Führerschein. Ein direkter Vergleich für Österreich zeigt die Dimension. 1998 kostete ein kompletter Fahrkurs etwa 15.3804 Schilling. Das sind rund 1.118 Euro.
Im Jahre 2025 liegen die Kosten für einen vergleichbaren Kurs in Österreich bei durchschnittlich 1.884 Euro.
Unter Einbeziehung der Inflation wird klar: Der Führerschein ist erheblich teurer geworden. Die Inflationsbereinigten Kosten von 1.118 Euro (1998) entsprechen heute einer Kaufkraft von etwa 1.750 Euro. Die realen Kosten sind also dennoch gestiegen, wenn auch weniger stark als der nominale Vergleich vermuten lässt. Gründe liegen in höheren Personalkosten, moderner (und teurer) Fahrzeugtechnologie sowie gestiegenen Anforderungen in der Ausbildung.
Fazit
Die Analyse des Jugend-Warenkorbs zeichnet kein einheitliches Bild. Die grundlegende Mobilität via öffentlicher Verkehrsmittel ist für Schülerinnen und Schüler heute deutlich günstiger zu haben; ein politischer Erfolg, der im Portemonnaie ankommt. Alltägliche Freizeitangebote wie das Kino sind moderat teurer geworden.
Die großen Investitionen in die persönliche Freiheit und spätere Berufschancen, wie der Führerschein, stellen jedoch nach wie vor eine erhebliche finanzielle Hürde dar. Sie binden oft Monate an Sparleistung oder erfordern umfangreiche Unterstützung durch die Familie. Für junge Menschen bedeutet dies, dass sie ihre finanziellen Prioritäten heute anders setzen müssen als ihre Eltern.
Die RAM-Krise: Warum Arbeitsspeicher plötzlich so teuer wurde
Viele Menschen haben es in den letzten Jahren bemerkt: Neue PCs, Laptops oder Grafikkarten sind deutlich teurer geworden. Ein wichtiger Grund dafür ist die sogenannte RAM-Krise. RAM, also Arbeitsspeicher, ist ein zentraler Bestandteil jedes Computers. Ohne ihn läuft kaum ein Programm flüssig. Doch genau dieser Speicher wurde zeitweise knapp – und das hat die Preise stark nach oben getrieben. Einer der Hauptgründe dafür ist der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI). Der Markt für RAM wird von nur wenigen großen Firmen beherrscht. Drei Unternehmen – Samsung, SK Hynix und Micron – stellen den Großteil des weltweiten Arbeitsspeichers her. Wenn diese Firmen ihre Produktion nicht schnell genug erhöhen können, entsteht sofort ein Problem. Genau das ist in den letzten Jahren, zuerst wegen des Russland Krieges, zuletzt wegen KI passiert, denn die Nachfrage nach RAM ist explodiert.
Ein besonders großer RAM-Verbraucher ist die Künstliche Intelligenz. Moderne KI-Programme, wie Chatbots, Bildgeneratoren oder automatische Übersetzungssysteme, brauchen extrem viel Rechenleistung. Dabei geht es nicht nur um schnelle Prozessoren, sondern vor allem um sehr viel und sehr schnellen Arbeitsspeicher. Große KI-Modelle müssen riesige Datenmengen gleichzeitig verarbeiten – und genau dafür wird RAM gebraucht. Für KI wird oft ein spezieller Speicher verwendet, der High Bandwidth Memory (HBM) heißt. Dieser Speicher ist viel schneller als normaler RAM, aber auch deutlich teurer und schwieriger herzustellen. Das Problem: Die Menge an HBM ist begrenzt. Große Tech-Konzerne wie Google, Microsoft oder Meta kaufen riesige Mengen davon auf, um ihre KI-Rechenzentren zu betreiben. Für andere Bereiche bleibt dadurch weniger übrig. Das bedeutet zwar nicht, dass KI den gesamten RAM-Markt kontrolliert, aber sie nimmt einen sehr großen Teil des hochwertigen Speichers in Anspruch. Experten gehen davon aus, dass KI-Anwendungen in Zukunft bis zu ein Viertel des weltweiten Arbeitsspeichers benötigen könnten. Vor allem im High-End-Bereich bestimmt KI bereits jetzt, wohin der Speicher fließt.
Gleichzeitig steigt der RAM-Bedarf auch in anderen Bereichen. Spiele werden immer aufwendiger, Smartphones leistungsstärker und Cloud-Dienste alltäglich. Streaming, Online-Gaming und Homeoffice sorgen ebenfalls für mehr Datenverkehr und höhere Anforderungen an Server. All das passiert parallel – und die Speicherhersteller können ihre Produktion nicht von heute auf morgen verdoppeln. Neue Fabriken kosten Milliarden und brauchen Jahre, bis sie fertig sind. Zusätzlich kamen noch äußere Probleme dazu. Während der Corona-Pandemie mussten Fabriken schließen, Lieferwege funktionierten nicht mehr richtig und Bauteile kamen verspätet an. Auch politische Konflikte und Handelsbeschränkungen machten die Situation nicht besser. Das Ergebnis: weniger Angebot, aber immer mehr Nachfrage – und damit stark steigende Preise.
Für Verbraucher hatte das klare Folgen: PCs und Laptops wurden teurer, Aufrüstungen verschoben sich und viele fragten sich, warum ein einfacher RAM-Riegel plötzlich so viel kostet. Besonders kleinere Hardware-Hersteller hatten es schwer, weil große Konzerne bevorzugt beliefert wurden. Inzwischen hat sich der Preis einigermaßen eingependelt, doch das Grundproblem bleibt bestehen. Künstliche Intelligenz wächst weiter und braucht immer mehr Speicher. Gleichzeitig arbeiten Hersteller und Regierungen daran, neue Produktionsstätten aufzubauen und unabhängiger zu werden. Ob das ausreicht, um zukünftige RAM-Krisen zu verhindern, ist jedoch noch offen.
Die RAM-Krise zeigt am Ende vor allem eines: Technologischer Fortschritt hat seinen Preis. Während KI unser Leben einfacher macht, sorgt sie im Hintergrund dafür, dass wichtige Bauteile knapp werden. Arbeitsspeicher ist dafür ein gutes Beispiel – klein, unscheinbar, aber plötzlich extrem wertvoll.
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